Lily Allen besucht Flüchtlingscamp in Calais
Aber der Reihe nach: Begleitet von BBC-Kameras hatte Allen eine provisorische Flüchtlingszeltstadt in der französischen Grenzstadt Calais besucht. Hier kommen vor allem Einwanderer unter, die ohne Einreiseerlaubnis auf dem Landweg nach Großbritannien einreisen möchten. Oft versuchen sie die Grenze zu passieren, indem sie sich beispielsweise auf oder unter LKW verstecken - und begeben sich so in Lebensgefahr. Viele dieser Reisenden halten sich wochen- oder monatelang in Calais auf und versuchen jede Nacht aufs Neue den Ärmelkanal zu überqueren. Unterkunft finden sie in leerstehenden Häusern oder im sogenannten Dschungel von Calais, im Unterholz errichteten Hüttendörfern aus Planen und Paletten. Laut BBC-Recherchen leben in der Zeltstadt derzeit etwa 600 bis 1000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Konfrontiert mit der Lebensgeschichte eines 13-Jährigen, reagierte Allen sehr emotional. Der afghanische Junge hatte der Sängerin erzählt, er sei in seiner Heimat vor den Taliban geflohen und versuche nun, über den Ärmelkanal hinweg ins englische Birmingham zu seinem Vater zu gelangen - was allerdings gefährlich sei. Während des Gesprächs brach die "Fuck You"-Sängerin in Tränen aus und sagte die Worte, die nun in ihrer Heimat sowohl für Zustimmung als auch für eine Welle des Hasses sorgen.
Thursday's Daily Star:
— BBC News (UK) (@BBCNews) 12. Oktober 2016
"Lily Allen apologises to migrants on behalf of UK"#tomorrowspaperstoday #bbcpaperspic.twitter.com/DwiCTqTSlr
Lilly Allen: "Ich entschuldige mich im Namen meines Landes für das, was wir dir angetan haben"
In einer anderen Passage des Beitrags erklärt die 31-Jährige, sie sei selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern: „Wenn in diesem Land etwas passiert, wir vertrieben werden und sie allein flüchten müssten, hoffe ich, dass andere Gegenden der Welt etwas hilfsbereiter agieren.“
Die Aussagen Allens polarisieren in der Boulevardpresse, wo Lily heute auf zahlreichen Titelseiten Erwähnung findet - und auf die Sängerin hagelt ein Shitstorm ein.
Lily Allen veröffentlicht Shitstorm via Twitter
Doch sie entschied sich dazu, die User-Kommentare via Twitter im Minutentakt zu veröffentlichen - und darauf scharfzüngig zu reagieren. Hier einige Beispiele:
You are disgusting https://t.co/hsqauTUFZG
— lily allen (@lilyallen) 13. Oktober 2016
Your grandchildren will be apologising for you and your hatrid in years to come.just like the Germans do for the Nazis. https://t.co/BaS93fDk25
— lily allen (@lilyallen) 13. Oktober 2016
"Deine Enkel werden sich für dich und deinen Hass entschuldigen"
Auch die Presse kriegt dabei ihr Fett weg:
Love the sun calling me spoilt wealthy hypocrite only weeks after saying I was so skint, I couldn't pay my tax bill https://t.co/kLikUDdqb0
— lily allen (@lilyallen) 13. Oktober 2016
Immerhin eins hat die Sängerin bereits geschafft, wie sie selbst betont: "Ich bin nach Calais gekommen, um für das Problem zu sensibilisieren - Job erledigt". Dazu postet sie die heutigen Zeitungen, die heute auf der Titelseite über sie berichten:
I went to Calais to raise awareness. Job done tbh pic.twitter.com/646CDKpMM0
— lily allen (@lilyallen) 13. Oktober 2016
Seht hier Lily Allens Tränenausbruch im Video: